WWDC 2013: Und Apple macht es doch richtig

Der Beamer war noch nicht kühl, schon geht es wieder los: alle prügeln auf Apple ein. Zu Unrecht. Zwar wurde während der Keynote keine Revolution verkündet, aber zumindest für iOS oder Mac OS wird es diese auch nicht mehr geben. Ein Kommentar.

Ein Marktführer dominiert sein Marktsegment deutlich. Dann, vor ungefähr zwei Jahren, scheint die Dominanz zu schwinden, andere Wettbewerber bringen frischen Wind, neue Ideen, von Wachablösung ist die Rede.
Der Chef reagiert: das “Produkt” wird rundum erneuert, einige dezente Neuerungen werden eingeführt (durchaus von der Konkurrenz abgekupfert), alles wird ästhetischer, runder, aber auch weniger fehleranfällig. Schon ist die alte Dominanz zurück und der Marktführer ist wieder unangefochtener Platzhirsch.

Die Rede ist nicht von Apple, sondern von Bayern München.

Ich möchte nicht behaupten, dass Apple mit den Vorstellungen von der WWDC die Smartphone Industrie (wieder) so dominieren kann, wie der FCB die Bundesliga in dieser Saison – aber Apple hat mehr als nur aufgeholt. Viele Blogs holen dennoch wieder zur Pauschalkritik aus. Das ist nicht nur vorhersehbar, sondern auch falsch. Am Beispiel des – von mir eigentlich sehr geschätzten – Blogs neuerdings.com – hier der komplette Artikel – zeige ich, warum.

iOS 7 – neuerdings schreibt: “ein wichtiges, gut aussehendes Update, allerdings auch kein mutiges”.

Persönlich finde ich es schon mutig, das komplette Design eines Betriebssystems komplett zu überholen. Wie Spiegel Online so schön schreibt: man hat das Gefühl, ein anderes Telefon in den Händen zu halten. Das kann man schon als mutig bezeichnen. Aber darum geht es gar nicht.
Alle Welt scheint von Apple zu jeder Keynote nichts weniger als eine Revolution zu erwarten. Das mag jetzt überraschend klingen: aber für das iOS wird es keine Revolution geben. Nicht zur WWDC, nicht im Herbst, wenn vermutlich das neue iPhone vorgestellt wird und auch nicht 2014 oder 2015. Der Grund ist einfach: eine Revolution stellt qua Definition alles Bisherige auf den Kopf. Apple hat mit der Einführung des iPhone genau das getan: eine Revolution im Mobilfunkmarkt ausgelöst. Jetzt ist Apple Marktführer – mit einer Revolution würde Apple die eigenen User verwirren. Der letzte Marktführer, der eine Revolution versucht hat, war Microsoft mit Windows 8 – das Resultat ist bekannt.
Deswegen wird es auch in Zukunft kein revolutionäres iPhone oder iPad geben, sondern allenfalls größere oder kleinere Evolutionsschritte. Der Schritt zu iOS 7 darf dabei zu den größeren gezählt werden.

Und noch etwas zeigt iOS 7: Apple hat keine Probleme damit, Funktionen, die sich auf anderen Plattformen bewährt haben, zu übernehmen – siehe Control Center. Ebensowenig wird Apple aber Funktionen außen vor lassen, die (noch) nicht für wichtig erachtet werden. Bei einigen Features darf man da getrost anderer Meinung sein (Widgets), aber Apple für rückschrittlich und wenig innovativ zu halten, nur weil sie nicht jedem Trend hinterherrennen (Phablets!), ist schlicht und einfach falsch.

Richtig absurd wird es beim Thema iTunes Radio. Die Argumente habe ich schon erwähnt (nur weil spotify einigermaßen erfolgreich ist, heißt das nicht, dass Musikabos der heilige Gral der digitalen Musik sind).
Aber, der Vollständigkeit halber:
Apple schließe mit iTunes Radio nicht zur Konkurrenz auf heißt es bei neuerdings. Konkurrenz, das heißt: Napster, Last.fm und spotify. Alles gute und innovative Services, ja. Google und Microsoft werden auch noch erwähnt, um die wichtigsten Apple-Konkurrenten auf jeden Fall im Boot zu haben.
Lassen wir den Fakt, dass Apple bzw. iTunes immer noch der größte Musikhändler des Planeten ist, mal außen vor.
Weder Google noch Microsoft sind im Online-Musikhandel in den letzten Jahren irgendwie auffällig geworden. Ob also deren Musikabos nicht eher eine Lücke irgendeiner Art füllen sollten? Ein fehlendes Feature repräsentieren?
Was ist aber mit Spotify und Co? Nehmen wir doch mal das Argument, was nach spätestens drei Sätzen kommt: Spotify Nutzer kaufen mehr Musik. Richtig. Und wo? Bei iTunes. Warum sollte Apple sich also einen der Hauptumsatzbringer kaputt machen, indem sie ihren kompletten Katalog im Abo anbieten? Das Naheliegendste wäre doch, sich die Provision, die Spotify bestimmt bekommt, zu sparen und einen ähnlichen Dienst anzubieten – Bingo: iTunes Radio.
Und wieder: ein Trend dem Apple nicht hinterherläuft. In diesem Fall, weil er nicht das Geschäftsmodell von Apple widerspiegelt.

Fazit:

Um es ähnlich auszudrücken wie der Autor: Apple hat auf der WWDC einige Wegweiser für die Zukunft aufgestellt. Mobil wie auf dem Desktop setzt Apple den Trend für die nächsten Jahre – und es wird immer deutlicher, dass beide Wege aufeinander zulaufen.

Hinterher läuft Apple dagegen nicht – sondern geht eigene Wege. Das sind nicht unbedingt die Wege, die die Medien gerne hätten. Aber immer noch – und auch in den nächsten Jahren – sehr erfolgreiche Wege, davon bin ich überzeugt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>