Smartwatch in Lauerstellung: das große Pebble UP-date

Die Apple Watch wirft ihre Schatten voraus. Nicht nur das Android-Lager wird nervös, auch die bis dato wohl erfolgreichste Smartwatch, Pebble, bekommt ein großes Update spendiert. Und macht separate Aktivitätstracker überflüssig. Ein Hersteller reagiert schlau: Jawbone öffnet seine UP-Marke.

Was das im Alltag bedeutet, lest Ihr hier bei uns im Test.
Als eines der erfolgreichsten Kickstarter-Projekte hat die Pebble Smartwatch schon vor einiger Zeit für Furore gesorgt. Nach der Vorstellung der Apple Watch geht Pebble jetzt in die Offensive und positioniert sich als günstige Alternative zu Apples Edel-Smartwatch. Und zwar global: Nicht nur wurden die Preise für die beiden Modelle Pebble und Pebble Steel teilweise deutlich gesenkt, die Uhr ist jetzt auch global verfügbar, sogar im Einzelhandel.
Deutschland ist zwar noch nicht unter den Ländern, in denen Pebble offiziell verfügbar ist, aber in den benachbarten Niederlanden bekommt man die Pebble beispielsweise im MediaMarkt.
Für Pebble-Besitzer ist aber vor allem die letzte Softwareaktualisierung interessant: Aktivitäten werden jetzt im Hintergrund aufgezeichnet. Passend dazu gibt es entsprechende Apps. Eine davon bietet die Firma Jawbone, die mit dem UP-Armband einen eigenen Aktivitätstracker im Angebot hat.
Die Pebble als Schrittzähler für die eigene UP-App zu verwenden wirkt zunächst etwas merkwürdig, macht Jawbone doch damit sein eigenes Armband obsolet. Auf den zweiten Blick versucht Jawbone sich als Fitness-Plattform zu etablieren – die App funktioniert nun selbst dann, wenn man kein UP-Armband sein eigen nennt und kann Daten verschiedener Quellen – wie eben aus der Pebble – verarbeiten. Das wiederum klingt bekannt: die Health-App von Apple tut nichts anderes. Der Vorteil von Jawbone ist sicherlich die Plattformneutralität.
Die iOS-App selbst bietet das von Fitness-Apps bekannte Arsenal von Statistiken: Übersicht der Aktivitäten, auf verschiedene Weisen grafisch aufbereitet, gesetzte Ziele und mehr. Natürlich können verschiedene Geräte und Apps integriert werden, leider ist es aber nicht möglich, eine Aktivität manuell hinzuzufügen. So löblich der Ansatz von Jawbone auch ist, sich als Plattform zu positionieren: andere Apps sind da schon weiter und mit Apple Health werden die Karten sowieso neu gemischt.
Die wichtigste Frage aber: wie schlägt sich die Pebble als Schrittzähler im Alltag?
Im Vergleich zu unserem letzten Test mit anderen Schrittzählern für Pebble merkt man der UP-App für Pebble die Erfahrung, die Jawbone mit dem Schritte zählen am Handgelenk hat, an. Die Ergebnisse sind deutlich besser und gleichen denen, die der Motion Sensor des iPhones misst. Es sei denn, man schiebt einen Kinderwagen durch die Gegend – hier hat sich leider nichts gebessert, was aus logischer Sicht zumindest verständlich scheint. Für alle anderen Gelegenheiten kann man das iPhone getrost aus der Tasche nehmen. Für mich ein deutlicher Pluspunkt, habe ich doch zuletzt das iPhone zum Schritte zählen nahezu ständig mitnehmen müssen. Allerdings muss man das iPhone schon fast zwingend aus der Tasche nehmen – verbindet man die UP-iOS App mit der Apple Health App, werden alle Schritte doppelt gezählt, einmal vom iPhone und einmal von der Pebble. Als Laie fragt man sich, warum das so sein muss. Ein großer Programmieraufwand scheint es jedenfalls nicht zu sein, die Schritte des iPhones mit denen der Pebble App abzugleichen. Dazu müsste man lediglich den – vermutlich sowieso vorhandenen – Zeitstempel eines jeden Schrittes auslesen. Hier besteht eindeutig noch Verbesserungsbedarf.
Trotzdem erringt die UP-App den ersten Titel: den des besten Schrittzählers für Pebble. Viele der anderen verfügbaren Pebble-Apps hinken bei der Genauigkeit deutlich hinterher. Positiv fallen auch die Watchfaces auf. Diese verlieren die Grundfunktionalität einer Uhr – die Zeitanzeige – nicht aus dem Auge. Die Schrittanzahl wird, grafisch aufbereitet, so dargestellt, dass man sein Ziel jederzeit im Blick hat. Ob die drei mitgelieferten Watchfaces jedem gefallen, sei mal dahingestellt. Wünschenswert wäre es sicherlich, wenn die Daten aus der Aktivitätsaufzeichnung anderen Pebble-Apps oder Watchfaces zur Verfügung stünden. Aber hier liegt der nächste Zug wohl bei Pebble. Immerhin ist es möglich, ein anderes Watchface zu verwenden: die Daten werden im Hintergrund weiter aufgezeichnet.
Fazit: Auch wenn Jawbone die neuen Möglichkeiten der Pebble wohl am Besten ausschöpft: den größeren Schritt hat Pebble getan. Hin zu einer kontinuierlichen Aktivitätsaufzeichnung, mit den Vorteilen einer Smartwatch kombiniert. Ein paar Software-Updates fehlen noch, dann kann die Pebble Smartwatch mit den (versprochenen) Funktionalitäten der Apple Watch durchaus mithalten. Ein Pulsmesser für das nächste Modell würde die Pebble als Fitness-Gadget abrunden. Zumal sie in punkto Akkulaufzeit der Apple Watch (wie auch allen Android-Smartwatches) locker den Rang abläuft.