Ein Plattformkrieg entwickelt sich – Interview zu Wearables

Florian Schumacher ist Trendscout der Wearable Technologies AG und Gründer von Quantified Self Deutschland. Als Speaker, Autor und Produktmanager gibt er Einblicke in Technologie-Trends und unterstützt Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung von Quantified Self Hard- und Software.

Wir konnten mit Florian über den neuen Trend zu Wearables und deren Zukunft sprechen. Und natürlich über die mysteriöse “iWatch” von Apple.

gelilimagx: Auf der CES wurden viele neue Geräte, sowohl Fitness-Tracker als auch Smartwatches vorgestellt – was erwartet uns dieses Jahr noch und welche Geräte werden sich durchsetzen?

Florian Schumacher: Das Thema Activity-Tracking war bereits letztes Jahr ein absoluter Trend und in diesem Jahre kommen viele neue Anbieter dazu, die mit frischen Ideen den Markt erobern wollen. Einerseits geht es darum die Geräte smarter zu machen, sodass sie auf ihren Display auch Infos vom Smartphone anzeigen können. Insbesondere geht es hier um Notifications wie die Namen eingehender Anrufer, Nachrichten von Facebook und vieles mehr. Andere Geräte wollen beim Thema Usability trumpfen, sind wasserdicht und kommen durch den Betrieb mit Knopfzellen auf eine Batterielaufzeit von bis zu einem Jahr. Ein weiterer Trend sind spezielle Geräte für das Fitnesstraining und Lösungen die neben der Aktivität auch andere Werte messen. Tracker für Kraftsportler ermöglichen das Aufzeichnen der Leistung beim Kraft-Training und Geräte die die Körperhaltung messen, erinnern einen daran, aufrecht zu stehen oder sitzen. Bei den Smartwatches geht es immer mehr um das Design, um für eine breitere Masse attraktiv zu werden. Außerdem entsteht hier ein Plattformkrieg um die Entwickler, welche die Geräte mit ihren Apps zu einem interessanten Ökosystem verhelfen.

gelilimagx: Die neue Generation der Wearables lässt die Grenzen zwischen den Geräteklassen verschwimmen: Smartwatches zählen Schritte und Fitness-Tracker benachrichtigen über eingehende Emails. Wie sehen wearables im Jahre 2015/2016 aus?

Florian Schumacher: Mittelfristig werden sich Smartwatches bei Power Usern als neue Plattform durchsetzen. Neben den eingebauten Kommunikationsfunktionen können diese mit Apps beliebig erweitert werden, auch um die klassischen Tracker-Features, wie Schrittzähler, Schlafmessung und neue Sport Apps für Tennis-Spieler oder Golfer, die die Bewegung der Schlaghand analysieren. Datenbrilllen wie Google Glass werden sich von ihrem aktuellen Haupteinsatzgebiet im professionellen Umfeld auch langsam in die privaten Lebensbereiche vordringen. Zusätzlich entstehen immer mehr Speziallösungen. Ansteckbare Bassshaker lassen einen auch beim mobilen Musikgenuss Bassvibrationen wie in der Disco erleben. Ältere Menschen können ihre Gesundheit kontinuierlich überwachen lassen. Droht einem Risikopatient ein Herzinfarkt, lösen smarte Textilien bereits im Vorfeld Alarm aus und kommt es dennoch zu einem Notfall, wird automatisch Hilfe gerufen.

gelilimagx: Apple hat im 5S einen Motion-Coprozessor verbaut, einige Apps, unter anderem die von Fitbit, nutzen ihn bereits – warum sollte ich mir noch einen separaten Fitnesstracker holen, wo ich mein iPhone doch sowieso immer dabei / in der Hosentasche habe?

Florian Schumacher: Neben dem iPhone 5s bietet auch die neueste Android Version beste Voraussetzungen, um einen Schrittzähler zu ersetzen. Dennoch ist der motivierende Effekt für viele Menschen größer, wenn sie ihre Aktivitätswerte vom Display eines extra Gadgets ablesen als diese lediglich in einer App zu sehen. Ob sich die Investition lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Viele Activity Tracker-Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt und versuchen ihre Geräte durch Ergänzung um neue Funktionen weiterhin attraktiv zu halten.

gelilimagx: Alle warten auf die iWatch. Die Tatsache, das Nike Fitness Guru Jay Blank sowie einige andere Experten auf diesem Gebiet bei Apple angeheuert hat, scheint dafür zu sprechen, dass Apple den Markt erobern will. Kommt die iWatch und was sollte sie können, um den Markt ähnlich zu revolutionieren, wie man es von Apple erwartet?

Florian Schumacher: Alle Indizien sprechen dafür, dass Apple an der Smartwatch arbeitet und diese veröffentlichen wird, sobald die Technologie und der Markt reif sind. Entscheidend für den Erfolg ist jedoch dass Apple Usability und Design auf dem gewohnt hohen Niveau präsentiert. Kompromisse beim Display und Batterielaufzeit wie diese beim Wettbewerb der Fall sind, würde man den Kaliforniern nicht verzeihen. Damit die iWatch ein echter Hit wird, muss diese vor allem mehr nützliche Funktionen ermöglichen, als dies bei den aktuell verfügbaren Geräten der Fall ist. Mails und Facebook dürften auf Dauer keine echte Begeisterung auslösen. Dialoge mit Siri und die Möglichkeit die heimische Beleuchtung oder die Heizung vom Handgelenk zu steuern schon eher. Neben Jay Blahnik hat Apple zahlreiche Biosensorik Experten im Entwicklungsteam. Schaffen diese eine Möglichkeit, neben der Aktivität auch Körperwerte wie Puls, Blutdruck oder Blutzucker zu messen, könnte die iWatch auch für Patienten und Sportler zu einer wertvollen Hilfe werden. Ob dies aber bereits bei der ersten Version gelingt oder erst bei zukünftigen Updates, werden wir erst in einigen Monaten erfahren.

 

Diesen und weitere Artikel zum Thema Wearables und Home Automation findet Ihr im neuen geLilimagx. Die Ausgabe “Schlaues Zeug – Wearables & Co.” ist ab sofort im App Store verfügbar.

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